Am Dienstagabend haben Ermittler des Drogendezernats LKA 62 eine Wohnung im Hamburger Stadtteil Schnelsen durchsucht. Der Einsatz in der Straße Vörn Brook erfolgte nach einem richterlichen Beschluss. Zuvor hatte die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift Lübeck – ein Zusammenschluss von Zollfahndung Hamburg und Polizei Lübeck – Hinweise geliefert, wonach größere Mengen eines Lösungsmittels zu der Adresse transportiert worden sein sollen. Dieses Lösungsmittel könnte nach Einschätzung der Ermittler genutzt werden, um Kokain zu strecken oder weiterzuverarbeiten. Spezialeinsatzkräfte unterstützten die Durchsuchung. In der Wohnung trafen die Beamten auf drei Männer im Alter von 34, 41 und 53 Jahren, die die Räume nach bisherigen Erkenntnissen als Labor genutzt haben sollen. 44 Kilogramm Kokain und Chemikalien sichergestellt Bei der Durchsuchung stellten die Beamten rund 44 Kilogramm Kokain sicher. Zudem fanden sie etwa 4,6 Kilogramm Haschisch sowie diverse Chemikalien und Lösungsmittel. Der Besitz und Handel mit derart großen Mengen Kokain fällt deutlich in den Bereich der sogenannten „nicht geringen Menge“ und ist mit hohen Strafandrohungen verbunden. Bei den Festgenommenen handelt es sich laut Polizei um zwei spanische Staatsbürger im Alter von 34 und 53 Jahren sowie einen 41-jährigen Mann aus der Dominikanischen Republik. Sie wurden erkennungsdienstlich behandelt und anschließend dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. Ein Haftrichter soll über Untersuchungshaft entscheiden. Die weiteren Ermittlungen dauern an. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Hamburg bleibt Drehscheibe für Kokain Auch wenn dieser Fund in einer Wohnung in einem Wohngebiet erfolgte, ordnen die Behörden solche Fälle seit Jahren in einen größeren Zusammenhang ein. Hamburg spielt aufgrund seines großen Seehafens eine bedeutende Rolle im internationalen Kokainhandel. Immer wieder werden dort Containerlieferungen entdeckt, in denen Kokain versteckt ist. In den vergangenen Jahren kam es zu mehreren großen Sicherstellungen im Hamburger Hafen, was die Attraktivität des Standorts für internationale Schmuggler belegt. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden werden Drogen nach dem Einschleusen häufig dezentral weiterverarbeitet und zwischengelagert – etwa in Wohnungen, Lagern oder Garagen. Dort können sie gestreckt, umgepackt und für den Weiterverkauf portioniert werden. Der aktuelle Fall aus Schnelsen passt in dieses Muster. Ob die beschlagnahmte Ware direkt aus dem Hamburger Hafen stammt, ist offen. Die Ermittler äußern sich dazu bisher nicht. Ermittlungen zu Strukturen und Hintermännern Im Zentrum der weiteren Arbeit der Strafverfolgungsbehörden steht nun die Frage, welche Rolle die drei Festgenommenen in einer möglichen größeren Organisation gespielt haben und woher die sichergestellten Drogen stammen. Auch mögliche Verbindungen zu internationalen Schmuggelnetzwerken sollen geprüft werden. Der Fall zeigt zugleich, wie stark der Drogenhandel nicht nur Hafenareale, sondern auch Wohngebiete betrifft. Für die Ermittler ist die Sicherstellung der 44 Kilogramm Kokain ein bedeutender Erfolg – ob damit ein größerer Verteilerring getroffen wurde, müssen die kommenden Wochen und Monate klären.